Der lange Weg nach Whitefish

Heute geht es endlich wieder in den Urlaub, Ziel ist der Ort Whitefish in Montana, in den mein Freund Max sich für ein Jahr zurückgezogen hat. Der Tag begann früh um 05:15 mit einem leichten Frühstück und dann ging es klassisch mit der U4 und der S7 zum Flughafen. In Wien herrschte zu der Zeit richtiger Starkregen, an den Fenster der Bahn floß der Regen in Strömen herunter und ich fuhr mit dem zufriedenen Gefühl mal am Urlaubsort ziemlich sicher besseres Wetter zu finden.

Am Flughafen angekommen ging es zum ersten Mal seit langem zur Gepäcksabgabe, die nun immer mehr Self Service Schritte beinhaltet. Man darf nur noch selbst beklebte Koffer aufgeben, daher zunächst zum Automaten und das erste Problem: die Wahl der richtigen Fluglinie. Hier muss man nachdenken, denn nicht Lufthansa, bei der der Flug gebucht und bezahlt wurde ist richtig, nein Austrian, die im Codesharing den Flug durchführt, ist hier korrekt aber nach dieser kleinen Hürde darf man sich wie gewohnt in die Schlange stellen um das Gepäck wiegen und abgeben zu können. Mit 14 kg war es doch deutlich schwerer als erwartet aber noch leicht im Rahmen der 23 erlaubten Kilos.

Dann war sogar noch Zeit für ein zweites Frühstück und anschliessend ging es zum Gate an dem zum Boardingzeitpunkt noch alles grün war. 10 Minuten nach dem offiziellen Boardingbeginn wurde verlautbart, dass die Maschine 1,5 Stunden Verspätung hat. Das war vermutlich auch schon ein paar Minuten vor Boarding bekannt ;). Da mein Anschlussflug von Frankfurt genau eine Stunde Umsteigen vorsieht und das Boarding in Frankfurt vor dem verschobenen Abflug in Wien beginnen würde, dachte ich mir gleich, das würde vermutlich eng werden. Dafür war dann genug Zeit für ein drittes Frühstück, jeder Hobbit wäre neidig.

Auf die konkrete Frage wie es mit dem Anschlussflug aussieht bzw. bei den Folgekosten (neues Zugticket und Hotelnacht) wurde ich wieder an Lufthansa weitergeleitet. Die haben natürlich auch nichts sagen können weil die nicht in Wien am Flughafen sitzen und alle sind glücklich wenn man im System von einem zum nächsten weitergereicht wird und damit der Prozess eingehalten ist und das Problem vom eigenen Tisch wieder weg ist. Also nächster Ansprechpartner: Lufthansa Ticketcounter in Frankfurt.

17 Minuten nach Abflug meiner Maschine nach Seattle bin ich dann in Frankfurt gelandet und auf ging es zum Servicecenter A12.

Hier wurde ich vor die Tatsache gestellt den Flug nach Denver (schneller wer anderer verantwortlich) zu nehmen und von dort weiter nach Seattle mit Ankunft gegen 22 Uhr Ortszeit statt wie ursprünglich gebucht zu Mittag. Nach meiner Nachfrage wie es denn mit dem direkten Condor Flug, der um 16:10 ankommt aussieht wurde ich auf die Wartebank geschickt. Nach 20 Minuten erhielt ich meine Umbuchungsbestätigung auf den Condor, auf dem dann angeblich auch mein Gepäck sein würde. Was also nun tun bis ich meine Boardkarte für den neuen Flug bekomme? Mittagessen bietet sich schon an, also nichts wie hin zu einem 2 stündigen Lunch, den nahm ich dann auch gleich am richtigen Gate nach der Passkontrolle ein, mit erstmaliger biometrischer, rein elektronischer Passkontrolle, sehr interessant, „welcome to the future“.

Während meines Lunchbreaks buchte ich den Zug um, der leider nur alle 24 Stunden fährt, zum Glück auch am Wochenende, ich hatte schon Sorge, dass der nächste erst am Montag fahren würde. Die Umbuchung war erstaunlich günstig, mit 20$ sitze ich im nächsten Zug. Allerdings war das Hotel dafür eine wahre Niederlage mit 170 $ das Günstigste, das für diese Nacht noch ein Bettchen für mich hatte.

Der Flug mit Condor hat sich für mich, neuerdings Wenigflieger, als wenig gut herausgestellt. Der Sitzabstand war genau so lange wie meine Oberschenkel und das Mädchen vor mir hat natürlich den ganzen Flug den Sitz maximal zurückgelehnt, daher blieb mir nichts übrig als den ganzen Flug die Knie über die Schultern zu hängen, zumindest hat sich das so angefühlt. Damit war nicht an Schlaf zu denken und der Flug verlief wenig entspannt. Das Boardentertainment erstreckte sich auf 2 Filme (Holywoodkomödien) und 2 Kinderserien, alles andere war nur durch Aufpreiszahlung möglich. Daher habe ich auf diesen Teil verzichtet und habe am Telefon ein paar Amazon Prime Filme geschaut und den Reiseführer Seattle angesehen. Der Flug war natürlich auch verspätet aber landete sicher nach über 10,5 Stunden Flugzeit. Durch meine Bronchitis war es teilweise doch sehr schmerzhaft, die unterschiedlichen Kopfhöhlen mussten nämlich alle paar Stunden verschiedene Drücke ausgleichen, da war ich echt froh als wir endlich wieder am Boden waren, kurzzeitig wäre ich versucht gewesen die berühmt berüchtigten Kopfschmerztabletten von Alina zu nehmen, aber glücklicherweise hatte ich sie nicht dabei und so war die Versuchung von kurzer Dauer.

Die Immigration in Seattle war meine Beste in die Vereinigten Staaten, zuerst war ich trotz Reihe 31 der einzige bzw. erste am Schalter, nachdem ich meine Finger und Iris gescannt hatte und eine einzige Frage (warum komme ich her) beantwortet hatte war ich durch, in unter 2 Minuten. Das Gepäck dauerte dann zwar noch eine Viertelstunde aber auch hier war mein Rucksack dabei und ziemlich unbeschädigt, die Zollkontrolle war dann ähnlich schnell, ich musste nur meine Mannerschnitten deklarieren und das war’s.

Von hier ging es zu Fuß zum Zug nach Seattle, das war doch recht weit aber problemlos mit Rucksack zu machen. Nach 30 Minuten war ich in der Stadt und ein kurzer Spaziergang von 15 Minuten brachte mich dann ins Hotel, welches unglaublich teuer aber dafür auch sehr hübsch war.

Nun, es war hier zwar erst 19 Uhr aber ich war trotzdem schon fast 23 Stunden auf den Beinen und das fordert seinen Tribut. Meine Energie noch was zu essen war minimal, allerdings war trotz der 3 Frühstücke der Flug derart kalorienarm (Danke, Condor!), dass ich um das Überleben zu sichern doch noch raus musste, glücklicherweise gab es gleich gegenüber einen kleinen Supermarkt, der allerdings nur eine sehr beschränkte Lebensmittelauswahl hatte. Damit wurden es Chips und Bier, das es allerdings bis auf eine langweilige Sorte nur im 6er Pack gab und die Motivation für mehr als eines hatte ich nicht mehr.

Zurück im Hotel verschlang ich die Sachen und legte mich mit einem Buch hin, die Idee war so lange wie möglich wach zu bleiben um mich an die Zeitverschiebung anzupassen, das gelang nur bedingt, nach 3 Seiten war ich weg. Dafür war ich um Mitternacht wieder wach und nach unruhigem Schlaf war um 4 Uhr endgültig Schluss damit und ich konnte die drei Seiten von gestern Abend nochmals lesen, denn ich erinnerte mich an gar nichts.

Da es erst ab 7 Uhr Frühstück gab nutzte ich die Zeit dann noch für ein kleines Morgenläufchen, da merkte ich jedoch schnell, dass meine Bronchitis mir noch den ganzen Spaß verdarb. So ging es nach wenigen Kilometern wieder zurück und zum inkludierten Frühstück, welches von beschränkter Qualität und Umfang war. Da ich ja unerwartet einen Tag in Seattle dazu bekam habe ich mir ein kleines Programm überlegt. Zunächst wollte ich zum Pike Market um diesen zu erkunden, das war aber um 8 Uhr schwieriger als erwartet, also setzte ich mich noch ein wenig an die Küste und genoss den noch recht kühlen Morgen. Dabei fiel mir auf, dass der Verkehr in Seattle eigentlich super entspannt läuft, möglich, dass das am Samstag Vormittag liegt aber kein Vergleich zu Wien.

Als am Pike Market dann endlich die meisten Geschäfte geöffnet hatten schlenderte ich nicht nur am ersten Starbucks sondern auch an einer Menge Fisch, Süßwaren, Blumen, Kunst und anderer Geschäfte vorbei. Sogar ein eigenes Brewpub gab es, das hatte zum Glück noch nicht offen, also machte ich mich auf Richtung Meer und am Weg dorthin verlief ich mich noch in einen North Face Shop ;).

Weiter ging es entlang meiner morgendlichen Laufroute vorbei an den Piers, durch den Seattle Harbour Park, der besonders eindrucksvoll war da viele Wildrosen am Wegesrand blühten und ein kleiner Rosengarten stand auch in voller Blüte, außerdem gab es verschiedenfarbige Akazien und alles war schön grün.

Abschließend kam ein industrieller Abschnitt, der aber durchaus seinen Reiz hatte, wer hat schon vorher jedenfalls Flugzeuge auf der Eisenbahn gesehen und das waren nicht mal ganz kleine.

Nachdem ich den Industriebereich des Hafens hinter mir gelassen hatte ging es durch eine Wohnzone in Richtung Discovery Park, ein ehemaliger Militärstützpunkt der öffentlich zugänglich gemacht wurde mit schönen Wanderwegen und Küstenabschnitten. Hier habe ich mich 2 Stunden herumgetrieben und bin dann schweren Herzens wieder in die Zivilisation hinaus.

Von hier war es nur noch ein Katzensprung über ein paar Schleusen nach Ballard, jenes Viertel von Seattle in dem es keine Microbreweries mehr gibt sondern jede Menge Nanobreweries, die „angeblich“ dem Kommerz abgeschworen haben und nur zum Spaß immer was neues brauen. Am Weg dorthin musste ich dann auch noch einen Bio Donut vernaschen. Ich denke man kann Ballard auch einfach das Craft Beer Mekka Seattles nennen. Eigentlich war ich auf dem direkten Weg zu einem im Reiseführer empfohlenen Pub, allerdings bin ich am Weg dorthin in Reuben’s Brewery hineingeraten und musste dort aus über 20 Bieren ein paar zum Kosten auswählen, keine leichte Aufgabe. Interessantes Konzept haben die dort, es gibt nur Bier und 2 Mal die Woche gibt es einen Food Truck in der Einfahrt und man kann mitgebrachtes Essen essen oder sogar Pizza bestellen. Nachdem ich 4 Biere probiert hatte machte ich meinen zweiten Versuch zu der vorgeschlagenen Brauerei zu kommen und erneut wurde ich abgelenkt und zwar von Lucky Envelope Brewing, das fällt ja fast unter Arbeit bzw. Fortbildung ;). Hier musste ich mich auf ein Bier beschränken, da ich die ersten 4 schon stark spürte (in Summe doch ein halber Liter).

Nach dem Spaziergang durch Ballard verstehe ich den Hipster Begriff noch besser, Zitat vom Nebentisch „man darf schon Flanellhemden tragen, aber nicht in einer Micro brewery“, das wäre zu klischeehaft.

Nun musste ich mich am Weg ins Hotel aber schon ordentlich beeilen um mein Gepäck zu holen und rechtzeitig zum Bahnhof zu kommen, denn Seattle ist teilweise steiler als man meinen möchte. Am Weg vom Hotel zum Bahnhof ist mir dann noch ein Pärchen mit XBOX T-Shirts aufgefallen, irgendwie eigenartig, aber das war nur der Anfang, danach kamen hunderte und viele davon Pärchen, vermutlich eine Convention aber eigenartig, dass alle oder viele davon mit den T-Shirts auf die Strasse rennen.
Letztendlich habe ich dann noch 10 Minuten vor Abfahrt den Bahnhof erreicht und gerade rechtzeitig um noch einen schönen Fensterplatz zu bekommen, damit sollte ich 13,5 Stunden später doch endlich in Whitefisch ankommen.

Angekommen bin ich dann eine Stunde verspätet und sehr müde, denn gut schlafen konnte ich leider nicht.

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