Tallinn – Halbmarathon

Bereits zum zweiten Mal machen wir uns in dieser Konstellation (Marina & Fredi, Gabi & Roland und ich) auf in ferne Lande um eine Stadt zu besichtigen und einen Halbmarathon zu laufen. Damit ist das ganze schon Tradition und soll auch in den nächsten Jahren wiederholt werden.

Das auserkorene Ziel ist diesmal Tallinn, die Hauptstadt von Estland. Es war ein recht kurzer Aufenthalt, Samstag Mittag bis Sonntag Nachmittag geplant, in dem wir neben dem Lauf auch ein wenig Sightseeing unterbringen wollten.

Los ging es Samstag zu einer ganz angenehmen Zeit gegen 06:30 von zu Hause mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und weiter mit dem Zug zum Flughafen. Im Zug gönnten wir uns gleich im Speisewagen den ersten Kaffee und waren am Flughafen dann auch gleich munter genug um uns durch die flotte Sicherheitskontrolle zu zwängen und anschließend noch ein gutes Frühstück zu genießen. Der Direktflug mit einem neuen Flieger der Baltic Airline war ganz angenehm, die Sitzabstände auch weiter hinten noch sehr komfortabel und die Zeit bis zum Landeanflug verging recht schnell. Der Landeanflug war interessant, hier wollte uns der Pilot einige Male abwechselnd links und rechts vom Flieger den Boden zeigen, denn kurz vor Tallin machte er einige starke Kurven bei denen er den Flieger ca. 45° in die Kurve legte. Die Landung war dann wieder butterweich und wir stiegen bei Sonnenschein und vereinzelten Wölkchen aus dem Flieger, kurz danach ging es mit der Straßenbahnlinie 4 ins Zentrum und 20 Minuten später stiegen wir in Viru, am Rande der Altstadt, aus. Hier konnten wir gleich Start und Ziel für den morgigen Lauf inspizieren.

Weiter ging es dann durch die Altstadt zu unserem Hotel „St. Olaf“ wo wir punktgenau beim Checkin auch auf Roland und Gabi trafen. Die beiden waren am Vortag angereist und Roland hat gleich für uns drei die Startnummer geholt, damit waren wir frei um uns dem nächsten Programmpunkt, der Nahrungsaufnahme zu widmen.

Hierzu ging es nach ein paar erfolglosen Versuchen wegen Überfüllung ins „Restoran Oliver“ in welchem ich einen „Estonian traditional soft drink“ nämlich Karastusjook Limpa zu mir nahm. Ein Wort der Warnung, wer nicht besonders auf extra süßes Red Bull steht wird damit vermutlich wenig Freude haben. Das Essen hingegen hat allen geschmeckt und die Location in einem schön hergerichteten Halbkeller war durchaus sehenswert.

Verschiedene Restaurants

Nachdem wir unsere erste Erfahrung mit estnischer Küche gemacht haben ging es in wildem ZickZack durch die Stadt, einiges konnte uns die Vorhut schon zeigen, manches erlebten wir gemeinsam zum ersten Mal, in jedem Fall eine wunderschön erhaltene mittelalterliche Altstadt mit vielen restaurierten Häusern. Der Eindruck den wir von der Stadt erhielten war sehr positiv.

Darauf folgte ein kurzer Stopp in unserem Hotel „St. Olaf“, welches auch aus sehr alter Bausubstanz besteht, sehr verwinkelt ist und mit teilweise richtig steilen Treppen aufwarten kann.

Dann machten wir uns auf den Weg um einen Teil der Stadtmauer zu erklimmen. Hier konnte man auf zwei der 26 erhaltenen Wehrtürme und dem dazwischen angelegten Wehrgang die Perspektive von oben genießen.

Anschließend beobachteten wir noch den Start zum 10 km Rennen, denn in Tallinn steht das ganze Wochenende unter dem Stern des Laufens, am Freitag gibt es einen 5 km Lauf, am Samstag einen 10 km Lauf und am Sonntag Marathon und Halbmarathon. Alles erschien uns sehr professionell organisiert und bei 10K Lauf waren unglaublich viele Starter am Weg, der Start alleine dauerte über 10 Minuten bis die letzten durch den Startbogen waren, ein richtiger Volkslauf.

Vom Zuschauen schon wieder hungrig begaben wir uns zu dem Restaurant „Von Krahl Aed“ in dem ich einen Tisch reserviert hatte. Dieses ist ein Biorestaurant mit Spezialisierung auf saisonales lokales Gemüse, durchaus aber auch mit Fleisch und Fischgerichten im mittelpreisigen Segment. Das Essen hat allen wieder recht gut geschmeckt, nur Fredi musste bei seiner Wahl ein wenig hungern, die Kalorien sollten ihm am nächsten Tag fehlen.

Soweit gestärkt konnten wir uns langsam der Abendgestaltung widmen, da wir ja am selben Wochenende die Brewdog Europe AGM in Berlin verpassten gingen wir in das lokale Brewdog Pub. Dies befand sich in einem revitalisierten Industrieviertel, dem Rotermanni, durchaus beeindruckend was hier mit den alten Schuppen gemacht worden ist. Nachdem wir einige lokale Biere gekostet haben ging es nicht allzu spät zurück ins Hotel um für Morgen fit zu sein.

Rotermanni und Nicht Mittelalter Gebäude

Der Lauf

So, heute findet nun der Halbmarathon statt der als Grund für diesen Ausflug herhalten musste. Nach meiner letzten Erfahrung am Stilfser Joch habe ich mich nach ein paar Wochen des Selbstmitleids dazu entschlossen mal einem Trainingsplan zu folgen um bis November fit für den Marathon zu sein. Tallinn liegt ziemlich genau in der Mitte und ist daher als Testwettkampf ideal geeignet. Der Kurs ist nicht ganz flach aber die von meiner Uhr aufgezeichneten 93 Höhenmeter sind vermutlich übertrieben, die Hälfte wird wohl der Realität entsprechen. Der Kurs teilt sich die Streckenführung über weite Teile mit dem Marathon, der startet jedoch 1:15 Stunde früher und hat viele zusätzliche Kilometer in eigenen Schleifen, die wir im Halben abschneiden dürfen. Mit der Anordnung sollten sich die meisten Läufer nicht in die Quere kommen bzw. im Idealfall ähnlich schnelle Gruppen aus Marathon und Halbmarathon gemeinsam die letzten 11 km ins Ziel laufen.

Der Tag begann mit einem feinen Frühstück, das uns unser Hotel extra für Läufer eine Stunde früher (ab 07:00 Uhr) bereit stellte. Das Hotel St. Olaf hatte auch den Checkout bis 14:00 Uhr verlängert, damit die Läufer noch duschen konnten, sehr freundlich von Ihnen. Nach dem Frühstück war noch Zeit genug um ein wenig zu chillen, da der Start für den Halbmarathon erst um 10:15 war. Vor der Aufstellung im Startblock musste Fredi noch aufwärmen und so liefen wir den ersten bzw. letzten Teil der Strecke schon mal gemütlich ab. Aus meiner Sicht ist das Aufwärmen ja kompletter Blödsinn, da man ohnehin noch genug Kilometer läuft und wenn man dann 30 Minuten auf den Start wartet ist man ohnehin wieder ausgekühlt.

Unser Startschuss fiel pünktlich und das Starterfeld, welches vom Platzsprecher auf 4000 Teilnehmer beziffert wurde setzte sich wie üblich träge in Bewegung, wir waren in der Mitte des 2ten Startblocks B, scheinbar ohne Zeiten bei der Anmeldung angegeben zu haben und liefen nach ca. 30 Sekunden über den Start. Da wir 3 unterschiedliche Zielzeiten verfolgten trennten sich am ersten Kilometer unsere Wege. Am Ende waren die so unterschiedlichen Ziele wieder leicht auf ein gemeinsames Ziel zu bringen „so schnell es heute geht“.

Die Strecke war mit mehr als ausreichend Verpflegungsstellen versorgt, das war ca. alle 3 Kilometer, damit ist für das leibliches Wohl der Athleten gesorgt. Auch die zahlreichen Helfer waren sehr motiviert um uns mit Getränken zu versorgen, ich ließ sie jedoch diesmal alle links liegen um nicht zuviel Zeit zu verlieren, daher kann ich über Qualität und Quantität nichts sagen. Die Möglichkeit hier nichts zu konsumieren war auch dem Wetter zu verdanken, es war mit so um die 15°C und Bewölkung ideal zum Laufen, vor allem wenn man bedenkt, dass mein Training bis hierher meist bei 25-35°C stattgefunden hat. Zu Beginn war es wie üblich noch recht dicht gedrängt aber nach den ersten beiden Kilometern war ein freies Laufen durchwegs möglich. Der Weg war teilweise ein bisschen eng, sodass er schon mit 2 nebeneinander laufenden Läufern stellenweise versperrt war. Witzig war eine sogar im Streckenplan angekündigte Gardena-Duschstation bei ca. Kilometer 9, die sich jedoch als ganz feiner Sprühnebel aus genau einer Dusche herausstellte, ein wenig enttäuschend, nach der Ankündigung hatte ich mir mehr Abkühlung erhofft.

Meine Strategie war mir selbst bis zum Start nicht klar, aber als ich nach den ersten 2 Kilometern in Sichtweite am Horizont noch den 1:30er Pacemaker Ballon sah beschloss ich diesen so lange wie möglich im Auge zu behalten. Das gelang mir auf den ersten 8 Kilometern soweit ganz gut, da konnte ich auch dank der Streckenführung immer wieder mal den Ballon aufblitzen sehen auch wenn ich nicht wirklich näher kam. Allerdings konnte ich Ihn auf der letzten Schleife vor dem Meer nicht mehr sehen und auch auf den folgenden Kilometern war dieses Ziel nicht mehr auszumachen, also versuchte ich einfach von Läufer zu Läufer aufzulaufen und mich damit mit kleinen Zwischenzielen zu motivieren. Das ging bis zum letzten Kilometer recht gut. Der letzte Kilometer war dann überhaupt mein schnellster am ganzen Tag, zunächst ging es in einer recht kurzen Rampe ca. 20 Höhenmeter bergab und dann ganz flach ins Ziel, dank der Erfahrung aus der Aufwärmrunde konnte ich mir hier die Kraft optimal einteilen und war in einer neuen persönlichen Bestzeit in 1:27:10 als 119. von 3390 Finishern im Halbmarathon im Ziel. Interessanterweise wurde die Bruttozeit und nicht die Nettozeit für die Wertung herangezogen, damit hatte ich vermutlich auch Glück, dass wir schon im Sektor B, gleich hinter der Elite, nur 30 Sekunden nach dem Startschuss ins Rennen liefen.

Im Ziel angekommen wurden mir eine Aludecke, zwei Flaschen 0,75l mit Wasser und Isodrink sowie ein Schokonussriegel gereicht. Ich gebe zu bereits in Budapest über die unzureichende Zielverpflegung geraunzt zu haben aber das war noch eine Steigerung. Für mich nach dem halben wäre das ja noch ok, aber nach dem Marathon wäre ich davon bitter enttäuscht. So war ich nur einfach enttäuscht, hungrig und durstig … schade, dass ich unterwegs nichts gegessen habe. Danach gab es noch ein Medaille in silber für den Halben und in Gold für die Marathonis und schon war man wieder draußen aus dem Zielbereich, der ca. 5 Meter breit war und durch den man einfach durchgeschleust wurde. Ich würde mir in jedem Fall mehr erwarten.

Dieses Jahr konnte ich nach dem letzten Platz in Budapest in der Altersklassenwertung ganz knapp den ersten Platz unter uns 3 erzielen. Mal sehen wie es nächstes Jahr wird.

rank  name             cat. rank   net time
119.  Graf, Markus     M40 / 13    01:27:10
1036. Pospisil, Alfred M60 / 15    01:50:49
1327. Doppler, Roland  M60 / 25    01:55:27

Der Nachmittag

Bei uns war nach dem Lauf dann doch eine Dusche angesagt und diese sollten wir bis spätestens 14 Uhr zum Checkout erledigt haben. Das war problemlos möglich und nachdem wir alle unsere Zimmer verlassen haben und unser Gepäck deponiert hatten war es soweit auf Nahrungssuche zu gehen. Fündig wurden wir in einer kleinen Vinotek „MarcoVino“, die auch Pizzen machte. Die Auswahl war überschaubar aber die Pizzen waren gut und sogar ein Bierchen hatten sie für uns, damit waren alle zufrieden. Von hier ging es wieder über das Hotel zu unserem Gepäck und damit in Richtung Straßenbahn, auf dem Weg spazierten wir noch am Rathaus vorbei. Dessen Turm war noch unbestiegen also nahmen sich Fredi und ich ein Herz und stiegen die 35 Meter ins Turmstüberl hinauf um noch einen letzten Eindruck aus der Vogelperspektive von der Stadt mit zu nehmen.

Wenig später trafen wir uns wieder in dem Kaffeehaus „Rukis“ welches sehr dekorativ eingerichtet war und köstliche Kuchen servierte. Von hier ging es dann aber endgültig zur Straßenbahn und mit der Linie 4 wieder zum Flughafen. Hier genossen die Buben noch einige Bälle am Tischtennistisch und nachdem wir schön verschwitzt waren stiegen wir in den Flieger der pünktlich in Richtung Warschau flog.

Nach einem kurzen Zwischenstopp ging es weiter nach Wien wo wir pünktlich ankamen. Auch schon fast traditionell durfte ich mich bei Fredi und Marina ins Auto setzten, und wurde von Philipp (Premiere), dem Sohn der beiden, vor die Haustüre chauffiert. Somit ging ein kurzer und sehr schöner Ausflug zu Ende.

Tallinn

2 Gedanken zu „Tallinn – Halbmarathon“

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