Hoch hinaus – die Wanderung auf das Stilfser Joch

Das ganze Thema begann im November 2018 als Walter mir diesen Lauf ans Herz legte. Nach wenigen Tagen entschloss ich mich dafür den Lauf dann auch zu machen und so wendete ich mich an Egon einem der Mitveranstalter, der für eine Gruppe aus Wien die Buchung und Organisation übernahm.


Egon erledigt nicht nur die Anmeldung sondern er organisierte auch einen Bustransfer von und nach Landeck sowie passende Hotels. Also alles in allem ein super Service Paket, welches ich nicht vollumfänglich nutzte, da ich den Event mit einem Besuch bei meiner Mutter verband. An dieser Stelle gleich noch ein großes Dankeschön an Egon.

Die Vorbereitung verlief nicht ganz wie geplant. Zum Zeitpunkt der Anmeldung, Anfang Dezember war ich noch recht motiviert ein gutes Aufbautraining zu machen, dann gab es jedoch erstmal einen langen faulen Urlaub und anschließend lag ich fast 5 Wochen mit einer bakteriellen Darmentzündung flach. Leider hat sich dann auch noch die erste Hälfte dieses Jahres nicht ganz so entwickelt wie ich mir das erträumt habe und so habe ich bis zum eigentlichen Marathon in Summe im Jahr 2019 gerade mal 150 km Trainingskilometer laufend hinter mich gebracht, nicht ganz wie geplant. Aber wie heißt es so schön Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich und ich habe genau das nicht getan, zumindest nicht zum Laufen. Da ich jedoch den Lauf mit einem Besuch bei meiner Mutter kombinieren wollte ließ ich mich nicht von der Teilnahme abhalten. Mit der durchaus realistischen Einstellung den Lauf nicht zu gewinnen wollte ich nach der flachen Runde von rund 12 km eigentlich nur flott die restlichen 30 km nach oben wandern.

Die Nacht vor dem Lauf habe ich mir in Prad, dem Startort, gegönnt um am nächsten Tag nicht früher als notwendig aufstehen zu müssen und somit entspannt an den Start zu gelangen.

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Der Lauf zählt ja zum Glück nicht zu den ganz Großen und damit ist der Ablauf recht entspannt. In Summe gab es 275 Finisher in der Wertung des Marathons. Dieses Jahr war die Organisation vor eine große Herausforderung mit dem Wetter gestellt, durch die späten Niederschläge waren große Teile der Strecke bis kurz vor dem Lauf noch von Schnee bedeckt.  Daher wurde die Straße gerade rechtzeitig vor dem Lauf eröffnet um dann gleich wieder zum Lauf für den Verkehr gesperrt zu werden. Leider musste die Streckenführung aber ein wenig geändert werden, da der Wanderweg in Mitleidenschaft gezogen war und damit nicht sicher genug. Letztendlich sorgte das dafür dass die letzten 12 km bergauf auf der Passstraße zu bewältigen waren. Das war landschaftlich natürlich etwas weniger reizvoll als der geplante Trail lastige Streckenverlauf. Trotzdem war die Strecke eine sehr hübsche nach einer 12 km Runde im Tal ging es über Wege und Schotterstraßen langsam bergauf ins Dorf Stilfs, in dem das Publikum nochmals für ordentlich Stimmung sorgte. Dann ein zweiter Abschnitt in wunderschöner Natur bis zu den besagten letzten 12 km Passstraße. An Laufuntergrund war von Asphalt über Forststraßen bis zu Wanderwegen alles zu finden.

Wie war nun mein Lauf? In einem Wort: „kurz“, denn ich lief wirklich nur die ersten 12 km und 2 kurze bergab Passagen, alle Teile des Weges die Bergauf führten und das waren in Summe an die 2500 Höhenmeter bewanderte ich nur, natürlich im flotten Schritt und ohne Gepäck dadurch trotzdem nicht ganz langsam aber letztendlich bin ich mehr als die Hälfte der Strecke gegangen. Das resultierte im 106. Platz in 5:51:30. Das entsprach auch meinem nicht ganz unrealistischen Ziel von ca. 6 Stunden. Im großen und ganzen war es für mich eine ziemliche Quälerei und nur wenig vergnüglich, besonders die letzten 12 km auf Asphalt hätte ich mir unter normalen Voraussetzungen gespart aber wenn man schon dort ist. Aufgeben tut man ja bekanntlich nur Briefe. Aber um zu einem bekannten Zitat von Herrn Murakami zu greifen, es gab genau 3 Gründe für mein schwaches abschneiden, das waren:
1, zu wenig Training
2, zu wenig Training und
3, zu wenig Training.

Die Organisation jedoch war vorbildlich die Startnummernausgabe erfolgte am Tag zuvor, wäre jedoch auch in der Früh noch möglich gewesen. Hier erhielt ich alle relevanten Informationen zum Lauf und den letzten Wetterbericht. Zum Start der 4 Bewerbe: Jochmarsch, Classic, Kurzdistanz & Marathon sorgten die Platzsprecher, Alphornbläser und Kuhglocken schwingende Trachtenträger gemeinsam mit flotter Musik für gute Stimmung.

Zu unserem Start war wieder mal der Klassiker Thunderstruck von AC/DC zu hören. Dann ging es entspannt auf die ersten flachen 12 Kilometer hier traf ich nach ca. einem Kilometer Richard, ein erfahrener Bergläufer, der diesen Lauf nur zum Training nutzen wollte. Das Problem, seine Trainingsgeschwindigkeit war mein Limit, damit war ich am Ende der ersten 12 Kilometer doch schon etwas müder als erhofft, auf der anderen Seite hatte ich eine nette Stunde mit einer interessanten Unterhaltung über verschiedenste Themen, bergauf trennten sich unsere Wege jedoch bald, da ich ausschließlich gehend unterwegs war verlor ich Richard schnell aus den Augen. Die Verpflegungsstellen waren unterschiedlich gut ausgestattet und die freiwilligen Helfer unterschiedlich motiviert, möglicherweise lag das einfach an meinem späten vorbeikommen, aber je weiter ich nach oben kam desto mehr waren die Helfer mit sich selbst beschäftigt als mit den doch noch durchaus regelmäßig vorbeikommenden Gehern. Das kenne ich von anderen kleineren Läufern etwas anders, gerade dort wird meist jeder Läufer wie ein Profisportler angefeuert.

Ich begnügte mich meist mit einem Becher Iso, einem halben Becher Wasser und etwas Salz, durch meine aktuelle Ernährungseinschränkung (Gluten, Ei, Erdnüsse, Michprotein … darf ich alles nicht) konnte ich leider vieles nicht kosten. Mir wurde jedoch von köstlichen Kohlehydraten in Kuchenform berichtet.

Das wohl eindrucksvollste waren am oberen Ende der Passstraße die teilweise noch Meter hohen Schneewände neben der Straße, die man im vorbeigehen zur Abkühlung noch berühren konnte.

Etwas verwirrend waren die Kilometermarken, die Vorbildlich bis Kilometer 31 jeden einzelnen Kilometer markierten. Auf der Passtrasse dann fanden sich jedoch verschiedenfarbige Spraymarkierungen mit unterschiedlichen Kilometerangaben, ich suchte mir irgendwann die vermutlich passendste aus und war letztendlich als ich am höchsten Punkt angelangt war doch ziemlich sauer, als ich dann noch weitere ca. 200 Meter zwar flach aber doch um die Ecke ins tatsächliche Ziel wandern musste. Hier ist zumindest markierungstechnisch eindeutig Luft nach oben, weshalb nicht auch die letzten 12 Kilometer in der selben Art wie die ersten 30 anschreiben?

Oben angekommen traf ich auf Richard und Christian, der nebenbei souverän seine AK gewonnen hat. gemeinsam nutzten wir das Angebot zur Dusche und dem Freigetränk im Ristorante Tibet (was für ein typisch Südtiroler Name).

Am Weg zurück Richtung Shuttelservice kamen uns dann noch weitere Läufer aus der Wien Gruppe entgegen, da mir aber schon deutlich kalt war wollte ich nur noch runter, hier fanden wir nach ein paar schlechtgemeinten Ratschlägen, die uns hin und her schickten doch noch die richtige Schlange um uns für den Transfer ins Tal anzustellen. Auch hier wären 3 Schilder mehr kein Schaden gewesen. Die Wartezeit von ca. 20 Minuten füllte leichter Nieselregen jedoch nur für 5 Minuten, dann scheinte wieder die Sonne und auch wir waren an der Reihe in den Bus zu steigen. Dieser brachte uns dann wieder vorbei an hohen Schneewänden sicher ins Tal.

Das Wetter muss man als optimal bezeichnen, zum Start war es zwar mit ca. 20°C schon recht warm, jedoch ging es stetig bergauf und oben war es mit ca. 12°C dann schon recht frisch, besonders, wenn man etwas ausgelaugt ist. Zu Beginn war es schön sonnig aber der Streckenverlauf bescherte uns trotzdem immer wieder angenehmen Schatten, je Höher die Strecke anstieg desto mehr Wolken waren zu sehen und das war auch angenehm so, trotz der subjektiv empfundenen 70%igen Bewölkung hatte ich am Abend doch einen leichten Sonnenbrand.

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