Run Vashon

Nach dem Aufwachen, welches überraschend spät war (so gegen 06:00 Uhr) erkundete ich noch die Umgebung auf einem kleinen Spaziergang. Der eigentliche Grund war ja ein geheimnisvoller kleiner Weg der mich neugierig machte.

Dieser brachte mich jedoch nur wieder zur Hauptstraße also machte ich mich an mein Tagwerk und begann mein Zelt abzubauen. Dabei riss leider eine der Luftkammern der Isomatte, das sollte sich in den nächsten Nächten noch als unangenehm herausstellen. Fürs Erste packte ich mal alles in den Rucksack und begab mich zum Start, dort war ich neben den Organisatoren einer der ersten und so stand ich in der Gegend rum, half ein wenig den Start und Zielraum aufzubauen, trank einen Kaffee und kostete den köstlichen Kaffeekuchen, alles war sehr liebevoll und mit großem Einsatz von allen Organisatoren und Helfern hergerichtet. Bruce der Organisator hat diesen Lauf zum 9ten Mal ausgerichtet und das mit neuem Teilnehmer Rekord von 166 Läufer die den Lauf beendeten (47 für die 50km und 119 für die 10 Meilen).

Es wurden 2 Rennen veranstaltet: um 08:30 starteten die 50 km Läufer auf einen Rundkurs, der 3 Mal durchlaufen werden musste, ein wenig später kamen dann die 10 Meilen Läufer an die Reihe, welche dieselbe Runde nur einmal laufen mussten. Damit das mit den 50 km auch genau stimmt, wurde für die Langläufer nach der 3ten Runde noch eine kleine Extrarunde angehängt.

Nachdem alle ihre Startnummer geholt hatten gab es 10 Minuten vor dem Lauf noch das Briefing in dem die Spielregeln genau erklärt wurden, besonders wichtig ist der Abschluss, nach drei Runden erhält man ein Armband, welches dann berechtigt in die kleine Abschlussrunde zu starten, wer das nicht herzeigt muss noch eine vierte Runde laufen, soll schon passiert sein. Des weiteren wurde die Markierungen erklärt sowie alle möglichen Probleme erläutert. Eines wunderte mich jedoch ein wenig, scheinbar waren die Abzweigungen mit Pfeilen aus Blumen markiert … eigenartig aber sicher hübsch.

Der Lauf selbst war echt super, nach den ersten paar Metern ging es rasch in den Wald und ich verstand, dass eigentlich Mehl gemeint war (flower / flour), eine super Idee? naja zumindest voll biologisch abbaubar. Ich möchte allerdings nicht wissen wie viele Kilo Mehl da am Waldboden landeten. Jede Kreuzung war nicht nur mit Pfeilen sondern auch mit Linien und „X“en gekennzeichnet wo man nicht laufen durfte. Der Weg selbst war zu großen Teilen Single Trail und wunderschön, Farne, bemooste Bäume, dichtes Unterholz, in Mitten eines State Parks, also echte Natur. Um die einzelnen Teile zusammenzuhängen gab es 2 Asphaltstücke von ca. 400 und 100 Metern und ein paar Stückchen Forststraßen. Alles in allem wirklich super schön, auch die Tatsache, dass wir die selbe Runde 3 mal laufen mußten, tat dem keinen Abbruch und ich entdeckte auf jeder Runde wieder was Neues. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Kurssetzung, die sehr viele Richtungsänderungen hatte um auf dem kleinen Gebiet eine schöne Laufstrecke zu schaffen. Es gab 2 Verpflegungsstellen bei 5/15/25 und 10/20/30 Meilen, somit ca. alle 8 km. Zusätztlich gab es noch eine „wilde“ Verpflegungsstelle, die Anreiner bei ca. 3,5/13,5/23,5 Meilen aufgebaut hatten. Diese war etwas weniger abwechslungsreich ausgestattet aber die anderen hatten alles was man sich wünschen kann (Gummibärchen, saure Gummibärchen, Wraps mit Peanutbutter, Wraps mit Peanutbutter and Jelly, Kartoffeln, Salz, Vitamintabletten, Energiegels in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, Energieriegel, Cola, Mountain Dew (Almdudler-ähnliches Getränk), Isotonische Getränke, Wasser, … und vermutlich noch 100 andere Sachen, zu denen ich gar nicht gekommen bin), trotz 6 Verpflegungspausen konnte ich nicht alles kosten :(. Die erste Verpflegungsstelle hatte noch das Thema „Saturday Night Fever“ oder Disco, die Mädels waren alle in Kostüm gut gelaunt und versuchten die Läufer zum Tanzen zu motivieren, hat bei mir nicht ganz funktioniert aber alle Achtung, gute Stimmung konnten sie verbreiten. Die zweite Station war nicht minder gut gelaunt, alle waren super freundlich und motivierten jeden einzelnen Läufer als ob es um Olympiagold gehen würde. Überhaupt waren gefühlt fast so viele Helfer wie Läufer im Einsatz, jede Straßenkreuzung war mit 2-3 Helfern mit Stoppschildern und Fahnen bemannt, so mussten die Autos und nicht die Läufer warten. Auch im Wald an kritischen Stellen waren in der ersten Runde noch Helfer positioniert, obwohl die Markierungen wirklich mehr als ausreichend waren und super vorbildlich, der Eco Trail kann sich da mal anschauen wie man das macht ;).

Nun zu meinem persönlichen Lauferlebnis, in der ersten Runde habe ich mich bewusst eher zurückgehalten, da ich ja eine Woche vorher noch eine Bronchitis diagnostiziert bekommen habe, ich war extra bei der Ärztin um eine gute Ausrede am Start zu haben. Die letzte Woche in Montana war jedoch so heilend, dass ich nichts davon spürte, also dachte ich mir die zweite Runde in der selben Zeit angehen zu wollen, leider lief vor mir jemand, der leicht schneller war und zur Mitte war ich fix und fertig, obwohl ich laut meiner Uhr gleich schnell wie in der ersten Runde war, also klar zu schnell begonnen. Hilft nix, es muss wohl etwas langsamer sein, so hatte ich die zweite Runde mit 5 Minuten mehr noch halbwegs vernünftig beendet. Hier will ich noch hinterfragen ob der Rennmodus ideal ist, denn in der zweiten Runde musste ich doch einige Läufer des 10 Meilen Bewerbs überholen, die teilweise mit Kopfhörern dann erschrocken sind wenn ich trotz Ankündigung, die manchmal nicht gehört wurde, überholte. Alle waren super freundlich und haben sich gegenseitig angefeuert, eine super Atmosphäre aber den Rythmus durchbricht das doch ziemlich. Sollten in den nächsten Jahren mehr 50k Läufer kommen dann wäre ein anderer Modus vielleicht besser. Die dritte Runde hingegen war mehr ein Spaziergang, nach Wolfgangs Ultralaufregel bergauf gehen und gerade und bergab laufen, als ich diese Quälerei in einer gefühlten Unendlichkeit hinter mich gebracht habe sagte meine Uhr, dass die letzte Runde noch 7-8 km lang sein würde. Das war keine gute Aussicht, da in der Zwischenzeit auch die Sonne so heiß herunterbrannte, dass ich beim Laufen bewusst den Schatten suchte. Ich war total überrascht, als mir die Jungs an der 30 Meilen Verpflegungsstation sagten nur noch eine Meile, soviel zu GPS, also nahm ich alle meine Kraft zusammen, streifte mir das heiß ersehnte Armband für die letzte Runde um und lief leider großteils in der Sonne die letzte Meile. Im Ziel angekommen war ich sehr zufrieden es gut hinter mich gebracht zu haben. Das Ziel selbst war auch wieder super organisiert. Es gab Linsensuppe, Käseburritos mit Guacamole, verschiedenste Craft Biere, und noch viel mehr aber ich war leider schon satt. Ein wirklich wunderschöner Lauf. An der Stelle auch nochmals vielen Dank an Bruce und sein Team, Top Organisation mit Liebe zum Detail. Ich würde gerne wieder kommen, wenn die Anreise nicht so lang wäre.

Da ich ja vorort mein Zelt aufgeschlagen hatte war ich anschließend für die angekündigte Dusche sehr dankbar, witziges Detail am Rande: die Dusche war am Parkplatz ohne irgendwelche optische Abschottung und das im prüden Amerika, hat sich aber niemand beschwert.

Da ich für Amerika ungewöhnlich an und abreisen wollte, nämlich typisch europäisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, folgte dann die Odyssee zum Flughafen. Nachdem ich ca. eine Stunde nach dem Lauf aufbrach um zur Fähre zu gelangen ging ich in der irren Annahme, das wie unter der Woche auch Samstags zu jeder Fähre ein Bus fahren würde. Dem ist leider nicht so, Samstags gibt es nur 3 Busse, leider wäre der nächste erst in 2 Stunden gekommen, also machte ich mich mit dem Daumen draußen auf den Weg. Scheinbar war ich eher unglücklich, weil es dauerte 50 Minuten oder 4 km bis mich endlich wer mitnahm, dann aber dafür gleich direkt zu Fähre kutschierte, sehr freundlich.

Die Fähre selbst war unspektakulär und niemand interessierte sich für mein Ticket im Unterschied zur Hinfahrt. Wieder am Festland angekommen nahm ich den Schnellbus C und weiter den Bus 560 der mich dann zum Flughafen brachte wo ich weiter mit dem Shuttle Bus zu den Mietwagen geführt wurde. In Summe war ich über 3 Stunden am Weg, mit dem Auto wäre das in 45 Minuten zu machen gewesen.

Mein Mietwagen der mich zum Olympic National Park bringen sollte war ein Toyota Yaris. Schnuckeliges Teil für Amerika. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Olympia um Wasser zu besorgen fuhr ich dem Sonnenuntergang entgegen zum Pacific Beach State Park, hier genoss ich am Strand den Sonnenuntergang und streckte die Füße kurz in den Pazifik.

Leider war der Camping Platz schon voll und so musste ich nach dem Sonnenuntergang weiter. Ich beschloss gleich Richtung Regenwald zu fahren um morgen in der Früh schon Vorort zu sein.

Also war mein nächstes Ziel Lake Quinault, am Weg dorthin habe ich am Straßenrand sogar noch einen Schwarzbär gesehen, der ist jedoch leider gleich ins Unterholz geflüchtet als er mich gesehen hat.

Kurz vor der Dunkelheit kam ich am Falls Creek Campground an, stellte mein Zelt auf und schlief schnell ein.

Leider war die Matte mit der geplatzten Luftkammern weit weg von dem gewohnten Komfort, daher war diese Nacht wenig erholsam.

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