Hirosaki

Nachdem die Wettervorhersage von gestern noch ein zu optimistisches Bild gemalt hat, haben wir heute morgen den Temperaturtiefststand der bisherigen Reise erreicht, das Ganze mit Schneeregen, na super!

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Trotz dem Wetter hat mir Aomori mit seiner industriellen Hafengegend, die mit neuen Holzstegen versucht das Stadtbild zu verschönern, eigentlich ganz gut gefallen. Gesehen habe ich es nur durch einen kleinen Morgenlauf so gut es ging entlang des Meeres.

Es ist alles ein wenig heruntergekommen und es hat die ganze Zeit geregnet aber die Menschen denen wir begegnet sind waren alle freundlich und herzlich. Beim Frühstück, welches wir nach längerem wieder im Hotel inbegriffen hatten, haben wir es uns so richtig gut gehen lassen, wir haben fast eine Stunde alles gegessen was wir gefunden haben und das ist in Japan gewöhnlich recht viel. Schon eigenartig was den Gesamteindruck ausmacht, für mich hinterlässt Aomori ohne spezielle Höhepunkte trotz ekelhaftem Wetter und kurzem Aufenthalt einen durchwegs positiven Eindruck. Nach dem Frühstück ging es gleich zum Zug und weiter nach Hirosaki, der historischen Hauptstadt von Nordhonshu, hier stand auch die nördlichste Burg welche in der Edo Zeit gebaut wurde. Außerdem ist Hirosaki die Apfelhauptstadt Japans und als halber Südtiroler muss ich mich da ja wohl fühlen. Bereits am Bahnhof wird man von Äpfeln begrüßt und so zieht sich das Motiv durch die ganze Stadt.

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Außerdem waren am Bahnhof und in der Stadt Poster eines Mangas zu finden das in Hirosaki spielt, „flying witch“, besonders sympatisch dabei war die Katze, von den anderen Figuren des Mangas habe ich wenig mitbekommen. Im Hotel fanden wir dann sogar Bücher der Serie zum Ausleihen, natürlich nur auf japanisch.

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Heute ist auch der erste Tag der japanischen „Golden Week“, eine Abfolge von Feiertagen in der man mit 2 Urlaubstagen 10 Tage frei bekommt. Damit ist klar, wir werden die nächste Zeit in Japan nirgendwo alleine sein, so war auch der Bahnhof bereits überfüllt mit vielen gestressten japanischen Familien. Das Wetter in Hirosaki war insofern ein wenig besser, als dass der starke Regen in leichten Regen übergegangen ist und die umliegenden Hügel schon teilweise sichtbar waren, was uns freien Blick auf Schnee in unmittelbarer Umgebung bot. Laut dem Kirschblütenbericht ist heute auch der letzte Tag der optimalen Kirschblütenbesichtigung in Hirosaki, somit sind wir wieder bei Kirschblüten angelangt, auch wenn ich mittlerweile ja überzeugt bin, dass die Kirschen selbst mehr bringen als die Blüten ;). Durch den Regen, der teilweise wieder in einen richtigen Wolkenbruch übergegangen ist, wurden allerdings viele Blütenblätter bereits heruntergespült.

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Nachdem wir die schweren Rucksäcke im Hotel deponiert haben, sind wir gleich weiter zur Burg gezogen, diese ist wie üblich von schweren Mauerringen umgeben, in deren innerem ein schöner Park angelegt wurde. Dieser ist voller Kirschbäume und damit ist Hirosaki einer der besten Plätze in Japan um diese zu genießen. Ich muss sagen, zum ersten Mal war auch ich trotz Regen und Kälte wirklich fasziniert, da wir bis dahin immer nur einzelne Bäume in voller Blüte gesehen haben. So ein ganzer Park in Blüte ist wirklich dekorativ.

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Leider wurde hier der Regen auch immer stärker, sodass wir gleich mal zwei Tickets für die Burg besorgten und uns auf einen gemütlichen Museumsbesuch einstellten. Als wir dann durch das Tor und über die Brücke kamen, sahen wir, dass von der Burg nur noch ein Türmchen steht. Als wir nach ein wenig Warten im Regen endlich hinein durften, haben wir ein spannendes Video gesehen, in dem gezeigt wurde, dass der Turm nur einer der Wachtürme auf der Mauer war und vor kurzem auf einen neu gebauten Sockel in die Mitte des Burggeländes gebracht wurde. Damit wird eine japanische Tradition, das Herumschieben von riesigen Gebäuden, fortgesetzt. Der Film zeigte in Zeitraffer wie der Turm am Stück angehoben, verschoben und wieder abgestellt wurde, echt cool. Der dreistöckige Turm selbst ist nicht besonders spannend aber trocken und von der Burg selbst gibt es keinen Holzsplitter mehr, somit war unsere Regenpause von kurzer Dauer. Glücklicherweise ließ der Regen jedoch nach und hörte eine halbe Stunde später ganz auf, die Temperatur blieb aber klar unter 10 Grad.

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Nach dem Burgerlebnis welches mit einem Foto von einer eigens errichteten Holzplattform, mit einem extra Angestellten zum Fotografieren, zu Ende ging, spazierten wir durch den riesigen Park in dem auch noch bis zum Wochenende das Sakurafestival stattfindet. Da gibt es jede Menge Essensbuden und viele Japaner, die sich auf Planen einfach ins Gras setzen um gemeinsam zu feiern, das Ganze bei Regen und unangenehm tiefen Temperaturen, das ist wahre Härte. Zudem gab es noch einige Musikgruppen die traditionelle Musik zum Besten gaben, gerade die Trommeln fanden wir wieder sehr gut.

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Nachdem wir uns mit warmen Kartoffeln und Mais gestärkt hatten, ging es weiter in den Botanischen Garten der auch noch Teil des Burgparks ist. Hier war bemerkenswert, dass sie gut ein Drittel der Fläche für Beispielgärten verwendeten. In denen wurden unterschiedliche Gartenformen gezeigt, von Gemüse- über Blumen-, Obst-, Jahreszeiten- und klassisch japanischen bis hin zum Steingarten. Für uns sehr interessant hier auch ein paar Anregungen für unseren Garten zu holen, vor allem wie wir den Buchsbaum schneiden werden ;).

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Heute war auch der Punkt gekommen wo wir zwar nicht zum ersten Mal aber doch ernsthaft über die Rückkehr, die Aufgaben, die Freunde und Freuden in Wien gesprochen haben, frei nach der Almdudler Werbung ;). Nach dem Botanischen Garten waren wir schon 4 Stunden draußen und langsam ziemlich erfroren, also haben wir das nächste Ziel, den Fujita Memorial Japanese Garden damit begonnen einmal gemütlich Tee und Kuchen zu essen. Das Restaurant war im sogenannten westlichen Haus untergebracht, in dem sich sehr hübsche Art Deco Elemente finden.

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Herr Fujita war ein sehr erfolgreicher japanischer industrieller und auch Gründer und Vorsitzender der Industriellen Kammer, zusätzlich an 60 Firmen beteiligt und aus Hirosaki. Mit dem ganzen Geld, das er dabei verdiente, hat er sich gleich neben der Burg einen Grund gekauft und darauf diesen Garten mit einigen Häusern angelegt. Nach dem Tee hat es gerade noch für eine kleine Runde durch den Garten und das traditionell japanische Haus gereicht bevor wir uns auf den Weg ins warme Hotelzimmer gemacht haben.

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Nachdem wir die Körperkerntemperatur wieder über Gefrierpunkt gebracht haben, ging die Suche nach dem Essen los, fündig wurden wir in einem Restaurant mit dem vielversprechenden Namen Vegefru, leider war die Kommunikation ausgesprochen schwierig, aber wir wurden satt und Bier bestellen geht sowieso schon fließend ;). Damit ging ein kalter, nasser und durchaus schöner Tag zu Ende, leider haben wir den angeblich schönsten Vulkan Japans, Mt. Iwaki, nicht zu Gesicht bekommen, beim Frühstück haben wir gerade noch den Ansatz des Bergfusses gesehen.

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2 Gedanken zu „Hirosaki“

  1. Hallo ihr beiden,

    stellvertretend für die vielen letzten Berichte aus dem Land der aufgehenden (verdeckten) Sonne: Vielen Dank für die Mühe, die ihr Euch mit dem Blog macht! Für uns ist das wie Urlaub – wir lesen gerne und teilweise auch mehrmals die Berichte von euren Erlebnissen mit und freuen uns über jeden neuen Eintrag!

    Super interessant, wo es Euch alles hinverschlägt und es freut und ehrt uns, dass unser Blog und unsere Geschichten euch dazu etwas Inspiration gebracht haben. Arigatogozaimashita!

    Auch wenn ihr unsere Reh-Warnungen ja erst einmal nicht so richtig geglaubt habt (der kalte Blick auf dem Foto des Landkarten-fressenden Rehs jagt Jens immer noch einen Schauder über den Rücken und erinnert ihn an das Reh in Nara, was ihn seiner Meinung nach essen wollte!) und unserer Meinung nach die Verteilung zwischen Bier- und Katzen-Content wieder etwas mehr in Richtung Bier gekippt werden könnte … ;-)

    Aber im Ernst: Wir wünschen Euch weiterhin schöne und interessante Tage in Japan! Geniesst die Reise und denkt noch nicht so viel über das Ende nach.

    Doitsu kara no aisatsu,
    Meike und Jens

    PS: Euer Blog hat uns übrigens auch den letzten Schubs gegeben: Haben gerade September-Oktober einen Flug nach Tokyo gebucht – werden uns nochmal Japan und Südkorea anschauen. :)

    1. Cool Korea klingt spannend, danke für euer konstantes Feedback, wir haben uns das zu Herzen genommen und waren gleich in einem Craft Beer Pub.
      Sonnige Grüße aus Sapporo

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