Kobe – Kyoto

Diesmal starte ich den Blog mit einer Heldentat, einem morgendlichen Lauf entlang des Yodo, dem „Hausbach“ von Osaka (vermutlich so breit wie der Rhein in Köln oder die Donau in Wien). Das Spannende daran war, ich bin nun zum zweiten Mal hier entlang gekommen und habe beide Male ein interessantes Szenario beobachten können, auf einer Strecke von ungefähr 3 km reiht sich ein Baseballfeld an das andere, von grünen Netzen begrenzt finden sich so an die 30 Spielfelder, welche am Wochenende zu 100% bespielt wurden und zwar von 15 bis 25 jährigen, während heute am Montag nur einige Altherrenpartien gespielt wurden. Interessant war auch zu sehen wie die Jugendlichen alle in super weissen gestärkten Hosen und farbigen Poloshirts mit passender Jacke zum Spiel kamen während die alten Herren in der selben Kleidung, jedoch mit dem einen oder anderen Loch am Knie spielten. Auch die Ordnungsliebe der Japaner wurde hier wieder demonstriert, alle Räder standen in Reih und Glied neben dem jeweiligen Spielfeld und auch die in den Vereinsfarben förmlich glänzenden Taschen standen ordentlich neben dem Spielfeld oder an den Stufen aufgereiht, auf jeder Stufe genau eine Tasche schön am Rand um niemanden zu behindern. Auch scheint es normal zu sein vorab gemeinsam den Platz herzurichten, so waren die meisten Teams zu Beginn damit beschäftigt Löcher zu füllen und mit Maßbändern Markierungen zu setzen. Ich habe mich ja noch nie in Baseball vertieft, ist aber in Japan bei alt und jung offensichtlich sehr beliebt.

Heute starten wir den letzten Tag aus Osaka einen Tagesausflug und haben uns nach den Tempeln der letzten Tage für eine Fortsetzung des Inari Kultes entschlossen. Wir sind in der Früh ins Industriegebiet von Kobe gefahren, denn dort befindet sich das Sake Museum von Hakutsuru, eine Brauerei die seit 1743 Sake braut und heute eine der größten Japans ist. In der alten Brauerei haben sie ein Museum eingerichtet, von außen sah das Gebäude noch richtig nach Jahrhundertwende aus, innen sahen wir dann auf Videoaufnahmen, dass es erst 1997 nach einem riesigen Erdbeben neu aus Stahlbeton gebaut wurde. Trotzdem sind die meisten Exponate original und ca. 100 Jahre alt. Die einzelnen Schritte der Sake Herstellung wurden mit historischen Exponaten und kurzen Videosequenzen auf Englisch beschrieben. Hier wurde Archivmaterial von 1928 verwendet, da hatte die Brauerei einen Dokumentarfilm gedreht, echt toll das zu sehen, ein Glück, dass der Film die Zeit überstanden hat. Viele Exponate wurden mit Figuren dargestellt und wir erhielten einen wirklich guten Eindruck von der Sake Erzeugung damals und heute, dieses Museum war touristenfreundlicher gestaltet als die meisten japanischen Museen die wir bisher gesehen hatten. Am Schluss konnte man noch was verkosten und kaufen, wir haben es aber bei zwei Tüchern belassen. Ich für meinen Teil werde nicht von Bier brauen auf Sake umsteigen, da wie in Japan üblich der kompliziertest denkbare Weg gewählt wurde, bei diesem werden 3 Pilz- und Bakterienstämme sequentiell bei verschiedensten Temperaturen verwendet. Dazu kommt ein mir unverständlicher Schleifprozess welcher die Qualität angeblich beeinflusst, bei dem bis zu 40% des Reiskorns abgeschliffen wird. Bei mir hinterließ das Museum mehr Fragezeichen als Antworten. Wieder eine Hausaufgabe für später ;).

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Nachdem wir uns nun in letzter Zeit nur mit Spirituellem beschäftigt haben, war ein Ausgleich notwendig, deshalb war unser nächster Stopp in Kyoto wieder eine Burg, das Nijō-jō. Von hier wurde Japan fast 1000 Jahre regiert, das aktuelle Gebäude ist aus der Edo Zeit als das Shogunat auf seinem Höhepunkt war. Wie fast alle anderen Sehenswürdigkeiten die wir bisher in Japan gesehen haben (bei der Brauerei bin ich mir nicht ganz sicher ;)), standen die meisten Gebäude schon an anderer Stelle und wurden erst in den letzten 250 Jahren an dem heutigen Ort aufgestellt um ein schönes Ensemble zu ergeben und damit ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe zu kreieren. Die Burg besteht wieder aus mehreren Mauerringen die von Burggräben umgeben sind und einen schönen Park ergeben, das Besondere diesmal war, dass man nicht nur nicht fotografieren durfte sondern auch abmalen verboten war. Sonst haben wir viel gesehen, das wir in der einen oder anderen Konstellation schon vorher sehen konnten, auch hier waren die Tiger nicht sehr natürlich (wie in Nagoya … dort durfte man ja fotografieren). Interessant war die Bedeutung der einzelnen Räume und der Kreis an Personen der jeweils zum Shogun vorgelassen wurde.

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Irgendwie scheinen wir einen besonders harmlosen Eindruck zu machen, denn im Park wurden wir erneut Opfer einer Schülerattacke, diesmal mit einem strukturierten Fragebogen aus dem jeder der 10 Schüler eine Frage stellen und die Antwort niederschreiben musste. Am Ende erhielten wir sogar noch Hausaufgaben in Form eines Geschenks, ich sage nur, lasst das Holzpferd draußen. Da bekamen wir in einem kleinen Plastiksackerl zwei Papierkraniche mit einem Zettel, auf dem stand wir sollen diese zuhause fotografieren und das Ergebnis per Email zurückschicken. Blöd nur, dass die glauben wir sind aus Australien, weil jeder in Japan kennt Australien und Austria geht in japanische Köpfe gar nicht rein. Am Schluss machte der Lehrer noch ein Foto mit allen Schülern und uns, wir vermuten, das wird an die Einreisebehörde geschickt und wenn die Hausaufgabe nicht erledigt wird ist von einem weiteren Besuch in Japan abzuraten.

Danach flüchteten wir schnell und suchten wieder spirituellen Beistand beim Shimogamo-jinja, einem weiteren Shinto Schrein aus dem 8. Jahrhundert, wobei die Gebäude erneut aus dem 19. stammen. Am Weg dorthin stolperten wir über den Goryo Schrein, ein weiterer Shinto Schrein welcher 794 gegründet wurde und als super kleiner Schrein der in keinem Reiseführer steht hatten wir ihn auch ganz für uns alleine.

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Der Shimogamo-jinja hingegen ist von einem großen wunderschönen Park umgeben, man sagt, dass in diesem Park Lügen nicht verheimlicht werden können, daher wird er oft aufgesucht um Streitigkeiten zu lösen. Der Schrein ist der Gottheit der Ernte gewidmet was auch mein Interesse daran erklärt, das Symbol des Schreins sind Veilchenblätter, sehr dekorativ. Da wir die Hauptzeit für Touristen schon lange überschritten hatten war die Atmosphäre sehr friedlich und entspannend, und ein optimaler Abschluss für den schönen Tag. Danach waren wir beide auch schon müde genug, deshalb ging es zurück, wir mussten ja auch noch waschen und packen, denn morgen geht’s für einen kurzen Abstecher nach Süden.

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