Sayonara Nippon! (das Gute, das Schlechte und das Eigenartige)

Wir wollen die Tradition wahren und auch zu Japan einige abschließende Bemerkungen abgeben und unsere Eindrücke zusammenfassen. Insgesamt war es sowohl spannend als auch anstrengend, weil wir versucht haben das meiste aus jedem Tag zu machen, uns alles was geht anzuschauen und zu erleben. Trotzdem ist bei vielem ein „ja, aber…“ Beigeschmack, und wir verlassen Japan mit gemischten Gefühlen.

Die Sprachbarriere ist natürlich eine der ersten Punkten die man ansprechen muss, da sie ein konstanter Begleiter unserer Reise war. Überraschend dabei war nicht nur, wie wenig Englisch verstanden und gesprochen wird, sondern auch der Zusammenhang zwischen Ort und gesprochenem Englisch. Zum Beispiel war es in Tokyo fast am schlimmsten, wenig bis nichts auf Englisch angeschrieben, und auch an den touristischsten Orten keine Englischkenntnissen, dafür waren Aomori und Hokkaido eine positive Überraschung mit sehr gutem Englisch, vom Rezeptionist bis zum Frühstückspersonal. Auf der Hauptinsel hat es viele Hotels gegeben in denen kein einziger Mitarbeiter einfache Fragen auf Englisch beantworten konnte, dem entgegen gesetzt ein Maroniverkäufer, der mit uns verständlich Englisch gesprochen hat. Somit war es immer eine positive Überraschung, wenn jemand Englisch verstanden hat, oder es zumindest offensichtliches Bemühen zum Verstehen gab.

Hier noch ein paar Beispiele des Japenglish:

  • Hikone auf einen Poster: thinking old New
  • Hikone Name eines Geschäftes: Something four
  • Hikone Name eines Geschäftes: So-wood
  • Nagoya Frisörsalon Matka Slogan: hair & make
  • Nagoya Werbung eines Recruiting Büros: Gas the Challange!

Eng verbunden mit der Sprachbarriere ist natürlich auch unsere Einschränkung beim Essen, vegetarisch essen haben wir noch nirgends so schwierig und frustrierend erlebt wie in Japan. Als Vegetarier haben wir uns vor allem die Freiheit genommen, auf das schönste Bild in einem Menü zu zeigen ohne die Zutaten kennen zu müssen, oder auf einem Festival alles mögliche, mit und ohne Tentakel, zu probieren. Trotzdem, das vegetarische Essen, wenn wir es fanden, war immer sehr gut und Bestellen war geradezu eine richtige Freude in rein vegetarischen Restaurants.

Ein Punkt der uns negativ aufgefallen ist, ist der Fleiß der Japaner beim Verpacken: alles was nicht mindestens 3 Schichten Verpackung hat gilt eigentlich als unverpackt. Zum Beispiel haben wir Sesam Chips gekauft mit dem Ergebnis: einzeln verpackte Sesam Chips in einer Plastik Schale und das ganze nochmal in Plastik eingeschweißt, diese Packung kam dann natürlich noch in ein Plastiksackerl. Oder, am letzteren Tag beim Kochkurs wurden uns Onigiri als Wegzehrung mitgegeben, die einzelnen Onigiri waren in Frischhaltefolie eingepackt, dann alle drei in einem Papier umwickelt und mit einer schönen Schleife verbunden, dieses Packerl wiederum in Plastikfolie eingeschweißt. Vielleicht zu viel des Guten, haben wir uns oft gedacht ;). Dafür muss man sagen, besonders auf Märkte schaut die Ware immer richtig schön aus, alles säuberlich verpackt, daß es eine richtige Freude ist, hinzuschauen.

Ein verwirrendes Thema, vor allem in Bezug auf das Verpackungswahn der Japaner, ist das Fehlen von Mülleimer. Diese gibt es fast nicht, dadurch liegt oft viel Müll herum wo viele Menschen zusammen kommen, zum Beispiel bei Essensmärkten. Auch Attacken durch Rehe könnten vermieden werden, wenn man sein Müll rechtzeitig entsorgen könnte ;). Man muss sein Müll fast immer mit Heim nehmen, die einzige Ausnahme sind Bahnhöfe und viele Getränkeautomaten die zumindest das entsorgen der Flaschen und Dosen ermöglichen.

Eine unerwartete Erfahrung nach 4 Monaten Reisen ist, dass es Touristen oft besser haben als Japaner. Dafür fallen uns spontan folgende Punkte ein: Japan Rail Pass gibt es nur für Touristen, extra günstige Zeitkarten für Öffis, freies WLAN, sogar beim Klettern kamen wir billiger davon, da wir keine Mitgliedschaft abschließen mussten.

Die öffentlichen Toiletten muss man auf jeden Fall erwähnen, viele davon sind mit beheizten Sitze und vielen Knöpfen ausgestattet, der witzigste davon ist bei den Damen der Knopf für „Wassergeräusche“, damit keine eigene Geräusche nach außen dringen. Außerdem haben die meisten Damentoiletten einen „powder corner“ (Schminkecke), oft als eigenen abgeteilten Raum, mit gut beleuchtete Spiegel und oft auch Sesseln zum Schminken, das zeigt wie wichtig das eigene Aussehen ist. Dafür gibt es ebenso oft keinen Händetrockner, weswegen die JapanerInnen kleine Handtücher mit sich herumtragen, was sich die Alina am Tag 2 gleich abgeschaut hat.

Auch in Hotels gibt es die beheizten Toilettensitze, das war besonders super wenn es kalt war, wie zum Beispiel im Takuminosato oder Sapporo. Ebenso in Hotels gab es einige Male beheizte Spiegel, die beim Duschen nicht anlaufen. Die Reaktion von Markus war „so ein Blödsinn, Energieverschwendung! .. Andererseits, cool gleich nach der Dusche rasieren zu können“.

Die Öffnungszeiten der Geschäfte waren in Japan super, die Restaurants hatten oft nur sehr kurz offen (von 12-15 und 18-21), dafür gibt es überall Combini, ein Minisupermarkt der rund um die Uhr offen hat und von fast jeder Produktionkategorie ein paar Produkte anbietet. Die Sehenswürdigkeiten waren hingegen oft von 9-17 Uhr offen, was die touristisch aktive Zeit oftmals beschränkte.

Die Japaner, so sympathisch, freundlich und bemüht sie auch waren, werden uns nicht als besonders flexibel in Erinnerung bleiben. Trotz immer frisch zubereitetem Essen wurde uns nie die Möglichkeit angeboten durch Weglassen ein Gericht vegetarisch zu machen, so wie generell das Abweichen von Regeln nicht einmal ein gültiges Gedankenexperiment ist, wir hörten oft: „das geht nicht/haben wir noch nie gemacht“.

In unserem ersten Hotel hatten wir beim Frühstück auch eine englische Zeitung, hier fiel uns auf Seite 2 in „The Tokyo Times“ ein halbseitiger Artikel über eine 2 minütige Verspätung des Zuges (Shinkansen) auf, mit Erläuterung weshalb und einer Heldengeschichte des Zugführers der noch 4 Minuten einholte. Für die Konsumenten ist es natürlich super wenn die Fahrpläne so ernst genommen werden, auch wenn uns Seite 2 übertrieben erschien.

Zum Bild der Japaner passt auch das brave Schlange stehen bei der U-Bahn, vorm Zug am Bahnsteig, beim Boot, bei der Rolltreppe und vor Restaurants bis einem gesagt wird, was anderes zu tun (Einsteigen erlaubt, zum Tisch geführt usw).

Die Fußgängerrichtung ist oft durch Bodenmarkierungen vorgegeben, diese finden sich bei allen Bahn- und U-Bahn- Stationen auf den Treppen aber auch in Supermärkten oder auf Gehsteigen. Bei Sehenswürdigkeiten gibt es meist Koordinatoren, die die Leute weiter treiben damit es mehr Durchsatz auf dem Einbahnsystem gibt.

Bei unserer ursprünglichen Sorge auch ja die Kirschblüte zu sehen wurden wir oft von blühenden Kirschbäumen überrascht wo es lange schon vorbei sein sollte. Unsere Vermutung ist, dass die Gentechnik in Japan Kirschbäume produziert die ungefähr 11 Monate lang blühen ;).

Außerdem haben die Japaner ein anderes Verständnis von Natur, die ist prinzipiell nur dann gut wenn sie gezähmt und japanisch ist. Deshalb werden Zäune und Wege durchaus häufig aus Beton gemacht und zwar in Holzform und -farbe um den Eindruck von Natur zu erwecken.

Die Eintritte zu den Sehenswürdigkeiten waren im Großen und Ganzen immer sehr niedrig, meist unter 5 Euro, vielfach gab es auch sinnvolle Kombitickets.

Meine persönliche Interpretation von Japanisch ist, alles so kompliziert wie möglich zu machen, das mag oft sinnvoll sein, manchmal aber auch nicht. Wir haben da einige Beispiele erlebt: der Mönch der sein Gewand nach jeder Bewegung 2 Minuten lang richten muss bevor er seine Sprache wiederfindet und seine Tätigkeit im korrekt gefalteten Outfit weiter führen kann; das Brauen von Sake habe ich bereits erwähnt, auch andere Kulturen stellen Alkohol her und das in nur einem Fermentationsschritt; Zapfsäulen gibt es an den Tankstellen nicht, sondern Schläuche die an der Decke hängen, damit man eine hochentzündliche Flüssigkeit aus den Bodentanks über zahlreiche Rohre in die Decke leitet und mit vielen Verbindungen und langen Schläuchen wieder herunter, oftmals hängen die Zapfhähne aber so hoch, dass noch eine billige Schnur befestigt werden muss damit die nicht gerade riesigen Japaner diese auch erreichen können; die Tee Zeremonie ist ja auch so ein Thema, man könnte das auch ein wenig effizienter gestalten aber interessant was man alles hinein interpretieren kann; auch die traditionelle Herstellung von Soba Nudeln ist nach meinem Geschmack mit einigen Schritten zuviel, abgesehen davon, dass Stäbchen nicht super effizient zum Teig verrühren sind.

Jede Unterkunft hatte eine inbegriffene Vollausstattung für ihre Gäste, sogar die kleinsten Hotels, Minshku, Ryokan, Shukubo boten immer Zahnbürste mit Zahnpasta, Rasierer, Kamm und Ohrstäbchen an, dazu Pyjamas oder eine Yukata.

Japan ist ein Craft Beer Eldorado, in fast jeder Stadt gibt es mindestens eine Brauerei, meist sogar mehrere und die Qualität der getesteten Biere ist sehr hoch gewesen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es nicht voll ausgekostet habe, aber auch dieses Thema benötigt Zeit und Energie die in Japan oft schon sehr begrenzt war.

Eine Sache die uns teilweise begeistert und teilweise zum Kopfschütteln gebracht hat ist die Gewohnheit der Japaner, alles süß und herzig zu machen. Bei Accessoires ist das super, da hat die Alina oft zugeschlagen, bei Sicherheitswarnungen (z.B. nicht aufs Handy schauen während man geht) ist das aber vielleicht nicht so passend. In Japan scheint das allerdings zu funktionieren, und es stört auch keinen; wir haben damit zumindest immer was zum Lachen (und Fotografieren) gehabt.

Die Japaner haben ein anderes Empfinden von Höflichkeit. Meist sind sie sehr höflich und auf Etikette bedacht, dann aber nach unserem Standard auch wieder unhöflich indem sie skrupellos rempeln und drängen. Zum Thema Etikette wollen wir mit einer skurrile Randnotiz diesen Beitrag abschließen: im Zug verbeugt sich der Kontrolleur (wir haben nur Männer gesehen) beim Betreten und Verlassen des Waggons, sagt sein Sprüchlein und beginnt dann erst dann die Fahrkarten zu kontrollieren. Am Bahnhof angekommen wird jedem Passagier beim Ein- und Aussteigen gedankt.

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